» Mein Wald, mein Leben ...

Ich sah den Wald im Sonnenglanz,
vom Abendrot beleuchtet,
belebt von düstrer Nebel Tanz,
vom Morgentau befeuchtet;
stets blieb er ernst, stets blieb er schön,
und stets musst’ ich ihn lieben.
Die Freud’ an ihm bleibt mir besteh’n,
die andern all zerstieben.

Ich sah den Wald im Sturmgebraus,
vom Winter tief umnachtet,
die Tannen sein in wirrem Graus
vom Nord dahingeschlachtet;
und lieben musst’ ich ihn noch mehr,
ihn meiden könnt’ ich nimmer.
Schön ist er, düsterschön und hehr,
und Heimat bleibt er immer.

Ich sah mit hellen Augen ihn,
und auch mit tränenvollen;
bald hob er meinen frohen Sinn,
bald sänftigt’ er mein Grollen.
In Sommersglut, in Winterfrost, -
konnt’ er mir mehr nicht geben, -
so gab er meinem Herzen Trost;
und drum: Mein Wald, mein Leben!

 

"Mein Wald, mein Leben"

Emerenz Meier (1874 – 1928)